Freiheit Freiraum (AN)

Frei:Raum und Freiheit sind für mich untrennbar.

Ich fühle mich nicht frei.

Freiheit bedeutet für mich, in völliger Losgelöstheit, ohne familiäre Verpflichtungen, gesellschaftliche und politische Zwänge, Konventionen und Strukturen zu sein, zu leben. Da dies nie der Fall sein wird, kann ich die Frage nach meinem Frei:Raum mit „den gibt es für mich nicht“ beantworten.

Daher entscheide ich mich, relative Freiheit im Raum zu beschreiben. Für mich wird Sie daran bemessen, wie groß die Gestaltungsfreiheit in Abhängigkeit der mich begrenzenden Strukturen ist, sie findet sich folglich an den Rändern von Normen und Konventionen. Ein einfaches Beispiel wären jetzt „Artpieces“ an der Fassade, die illegal sind, oder Sekten, die den öffentlichen Raum zu ihren Gunsten missbrauchen und den Passanten undemokratische Werte vermitteln.

Frei:Raum ist für mich mein persönlicher freier Raum, ist für mich ein Rückzugsort, ein Abschottungsgefühl, ein Rückzugmoment. Vielleicht auch ein kläglicher Versuch, die absolute Freiheit zu verspüren. Auf der Toilette: der einzige freie Raum, der nur von mir alleine zur selben Zeit benutzt wird. Oder wenn ich abgeschnitten von der Außenwelt, mit Musik auf den Ohren, durch die Straßen laufe und mir meinen freien Raum zwischen Autos, Fahrrädern, öffentlichen und privaten Flächen schaffe. Ein anderes Beispiel für den Versuch, sich den Verpflichtungen und Verantwortungen zu entziehen – frei zu sein – ist die Flucht in drei Tage lange Feierei: der Gedanke, dass man jetzt unbedingt einen Freiraum braucht, um sich gehen zu lassen, umher zu schweifen, im Jetzt zu sein, um Da zu sein, nicht an morgen zu denken. Ein Ausloten der Grenzen des eigenen Möglichen.

Im Alltag wird der Begriff des Frei:Raum schon fast überstrapaziert und für alles verwendet, was an den Grenzen unserer Normen und Konventionen kratzt. Meistens aber im Kontext der Ausbreitung der gesetzten Rahmenbedingungen, der eigenen oder der gesellschaftlichen. Zum einen städtischen Freiräume: der freie Raum zwischen zwei Häusern, die freie Lücke zwischen Schrebergartensiedlungen, der leere Raum eines Leerstandes oder der frei zugängliche Raum im öffentlichen Raum. Aber auch gedankliche Freiräume: der persönliche Freiraum in der eigenen Wohnung, sich den Freiraum in Form eines Rückzugsraumes nehmen, sei es die Toilette oder das eigene Zimmer. Oder auch ideologisch den gesetzlichen Freiraum, die Grauzone positiv oder negativ missbrauchen, sich den Freiraum für die eigene Illusion dessen nehmen und dafür zu kämpfen.

Gibt es einen kollektiven Freiraum? Einen Raum, der gleichermaßen dem persönlichen Anspruch der einzelnen Person im gebauten Raum genügt und für alle gemeinsam als Freiraum fungieren kann?

 

Aida Nejad 28.10.15

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